Als Einstieg in die fast zweistündige, für Anfänger geeignete Rundtour von ~ 6 km Länge, bietet sich der Steg vom Kanuverleih Rucksack beim Ausflugslokal „Schöne Aussichten“ in Handorf an.
Beim Aufpumpen meines Gumotex Seawave dreht eine Gruppe junger Männer, die kurz zuvor aus einem Leihkanu ausgestiegen und teils angetrunken sind, ihre Musik so laut auf, dass ich mein eigenes Überlaufventil nicht mehr hören kann. Dieser Lärm ist nicht nur in einem Naturschutzgebiet ein No-Go!

Da die Werse hier mit unter 0,5 km/h sehr langsam fließt, ist sie stromaufwärts wie -abwärts paddelbar.

Zunächst geht es daher stromaufwärts bis zum nächsten Wehr an der Sudmühle. Quer über den Fluß liegt ein Baum, hinter dem sich allerhand Treibgut, unter anderem der übliche Plastikmüll, staut. Am rechten Ufer bietet sich eine Passage. Unterhalb des Wehrs an der Sudmühle weitet sich die Werse dann zu einem kleinen „Teich“, auf dem ich eine Runde zum Wenden nutze.

Teichrosen auf der Werse zwischen Sudmühle und „Schöne Aussichten“ © Thilo Bunzel 06/2019

Wieder geht es dabei vorbei an grünen Teppichen gelber Teichrosen, umschwirrt von zahllosen Libellen, darunter zuweilen gebänderte Prachtlibellen .

Gebänderte Prachtlibelle © Thilo Bunzel 06/2019

Richtung Südmühle wirkt die Werse wildromantisch durch den Saum alter Laubbäume, deren Äste vom hohen Ufer bis kurz über das Wasser herabhängen.

Auf dem Rundweg geht es mit dem Strom wieder an den „Schönen Aussichten“ vorbei, wo gutbürgerliche Speisen in moderner Küche kredenzt werden oder bei einem kühlen Glas auf der Werseterasse einfach entspannt werden kann.
Kurzum: empfehlenswert!

Weiter geht’s flussabwärts in Richtung der Eisenbahnbrücke, über die ich montags bis donnerstags von Münster nach Osnabrück pendele – ab jetzt auch mit der Aussicht vom Boot aus im Hinterkopf.

Nach einer Angelschnur, die sich in meiner Finne verfängt und einer weiteren Biegung, werden die Ufer der Werse niedrig und weiten den Blick auf die vereinzelten Wolken am Himmel.

Plötzlich erhebt sich aus dem hohen Gras der Uferböschung rauschend ein brauner, paradiesvogelartiger Phönix:
ein Fasan fliegt nach links über den Fluss.
Nie zuvor sah ich einen Fasan im Flug und sehe ihn gleich noch einmal. Wenige Augenblicke später fliegt der Hühnervogel vor mir wieder rechts über den Fluss zurück: auf wunderbaren Fittichen. Was für ein majestätisches Gefieder!

Dem Flusslauf weiter folgend, treffe ich erneut auf Angler. Sie klären mich über die weiter unten gespannten rot-weiß- quergestreiften Schilder auf. Diese kündigen die potenzielle Lebensgefahr bei Weiterfahrt an das Wehr der Havichhorster Mühle an. Gedanken an das tödliche Bootsunglück auf dem Rhein an Vatertag stellen sich ein:

„Wie ein Zeuge der Bild mitteilte, habe die Gruppe ihr Boot etwa 400 Meter vom Wehr entfernt ins Wasser gelassen. „Die zwei Männer saßen im Boot, die zwei Kinder standen. Keiner hatte eine Schwimmweste an.“

Quelle: https://www.merkur.de/welt/rhein-schlauchboot-drama-leiche-von-vierjaehriger-entdeckt-zr-12333743.html, aufgerufen 14.06.2019

Natürlich halte ich mich an die Beschilderungen und – safety first – trage eine Schwimmweste. Im Wasser der Werse kann man an vielen Stellen wegen der Tiefe nicht stehen.
Das dahinterliegende Wehr Havichhorst trennt diesen Abschnitt vor dem abgeschirmten, sehr naturbelassenen Teil der Werse, der in die Ems mündet und unter anderem aus Gründen des Wasser-, Landschafts- und Naturschutzes nicht weiter befahren werden sollte.

Also ist es Zeit für den Rückweg, der mich flussaufwärts und von quakenden Fröschen begleitet wieder an den Ausgangspunkt der Tour bringt.

FIN